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NAHAUFNAHME: SEBALDER KUNSTWERKE MEDITIERT

 

 

  

 

Gabriel besucht Maria, eine ganz normale Frau – so erscheint sie hier jedenfalls auf dem Epitaph für Anna Oelhafen. Wir wissen, dass es kein normaler Besuch war. Merkwürdig bleibt auf den ersten Blick das: Eine Frau stirbt, und ihr Mann Sixtus stiftet ein Bild, bei dem es ums Gebären geht. Tod und Leben, so eng beieinander. 1506 stirbt Anna. Am 25. März ist es gewesen. Nur fünf Jahre dauerte ihre Ehe. Gegen 1520 gibt Sixtus Oelhafen dieses Bild in Auftrag. Den Namen des Künstlers kennen wir nicht. Sixtus hat dieses Motiv ganz bewusst ausgewählt. Obwohl es erst mal widersinnig klingt: Das Motiv allein war schon eine gute Erinnerung an seine Frau.

Am 25. März, ihrem Todestag, begehen die Christen seit alters den Tag der Verkündigung Mariens, genau neun Monate vor Weihnachten.

 

Auf den ersten Blick findet alles im Zimmer einer Bürgerlichen statt. Ein edles Bürgerhaus ist es, großzügig ist der Raum, kostbare Fliesen schmücken ihn, ein wertvolles Samtkissen liegt auf der Eckbank. Das Fenster gibt den Blick frei in die Weite einer ländlichen Idylle, zurück zur Natur, fernab der urbanen Hektik und Enge.

Und doch hat der Maler das ganze Bild mit Andeutungen und Anspielungen gefüllt, ganz im Geist der Zeit. Schwungvoll kniet Gabriel sich neben Maria hin, sein kostbarer Mantel bauscht sich auf, gibt einen Blick auf die rote Innenseite preis: Für Liebe und Blut steht das Rot. Und seinen Stirnreif krönt das Kreuz. Ein nachdenklicher Engel, wie er da auf Maria herunterschaut, fast ein wenig abwartend sieht er aus. Über dem Zeigefinger seiner rechten Hand schwebt die Taube, Sinnbild für den Heiligen Geist, durch dessen lebensspendende Kraft Maria schwanger wird, erzählt Lukas im 1. Kapitel seines Evangeliums.

Ave, gratia plena. Dominus Tecum: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!, flattert das Spruchband um Gabriels Heroldsstab.

Maria erscheint als ganz normale junge Frau. Fast so, als ließe sie kalt, was der Engel ihr mitteilt. Kein Staunen, kein Entsetzen, keine Freude, keine Furcht packt sie, so vertieft ist sie in ihr Buch.

Immerhin geht es doch um Maria, die Mutter Jesu, des Gottessohnes.

Aber Maria kommt hier ganz unbedeutend daher. Ganz so, wie sie in ihrem Magnificat ein paar Verse weiter unten im Lukasevangelium betet. Maria macht nicht viel Aufhebens um ihre Person.

Meine Seele erhebt den Herrn, / und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes, denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

Und der Künstler malt für Sixtus Oelhafen diese Verkündigung mit einer Maria, die wirklich niedriger ist als der Engel, die sich nicht größer macht, die in die Tiefe blickt und der Armut, Schmach und Not ins Auge schaut. Sie trägt nicht, wie sonst oft, ein weißes Gewand als Zeichen ihrer strahlenden Jungfräulichkeit, sondern unter dem Mantel ein dunkelblaues Kleid. In seiner Farbe kündigt sich schon die Passion an, der dunkelblaue Mantel, den Jesus oft auf den Kreuzwegdarstellungen trägt.