St. Sebald feiert das Friedens- und Versöhnungsgebet mit Orgelmusik. Sie beginnt 11.45 Uhr.
Nach dem Mittagsläuten, 12 Uhr, feiern wir Andacht, mit Gesang, dem Nagelkreuzgebet von Coventry und Fürbitten, die die Gebetszettel der Gebetswand von St. Sebald aufnehmen.
(Dauer: 20 Minuten)
Coventry – Versöhnung statt Hass
Am 14. November 1940 fiel die Stadt Coventry in England mitsamt seiner Kathedrale der Luftwaffe Hitlers zum Opfer.
“Eine nach der anderen” – drohte der Reichsmarschall Göring – “werden wir nun die Städte Englands coventrieren.“
So wurde Coventry zum Inbegriff der Zerstörung einer Stadt.
Dick Howard, der Dompropst von Coventry, predigte eine andere Botschaft. Nur sechs Wochen nach der Zerstörung, an Weihnachten 1940, verkündigte er – mitten in den Trümmern der Kathedrale stehend – im britischen Rundfunk ein Nein zur Vergeltung und ein Ja zur Vergebung und Versöhnung.
Ziel seiner Kirche müsse “eine freundlichere, christlichere Welt” sein. Er war entschlossen, gemeinsam mit den Feinden von gestern an dieser Welt zu bauen.
FATHER FORGIVE – VATER VERGIB
„Vater vergib“ ließ er in die Steine des zerstörten Altarraums meißeln. Vergib uns allen! Vergib den Krieg, den Hass, die Zerstörung alles Guten, Schönen und Menschlichen.
Das Nagelkreuz von Coventry
Bei Aufräumungsarbeiten fanden sich in den Trümmern der St. Michaels-Kathedrale große eiserne Nägel, die seit dem 14. Jahrhundert das Gebälk des Kirchendachs zusammengehalten hatten.
Drei dieser Nägel wurden zu einem Kreuz zusammengefügt. Es steht noch heute auf dem Altar der Kathedrale.
Das Nagelkreuz von Coventry wurde zum Symbol der Vergebung und des Neuanfangs im Beten und weltweiten Einsatz für Versöhnung und Frieden.
Nachbildungen des Kreuzes stehen als Zeichen der Versöhnung in vielen Zentren der Welt, wo sich Menschen der Aufgabe stellen, an der Überbrückung von Gegensätzen mitzuwirken.
St. Sebald – ein Ort des Friedens und der Versöhnung in Nürnberg
Die alte Rats- und Bürgerkirche St. Sebald teilte schon immer das Schicksal der Stadt Nürnberg.
Mehr als andere deutsche Städte ist Nürnberg als Stadt der Reichsparteitage, der Nürnberger Rassengesetze und des
Hetzpropagandisten Julius Streicher weltweit ein Symbol für nationalsozialistische Barbarei.
Die Stadt hatte die Folgen zu tragen. Die nationalsozialistische Vernichtungsstrategie schlug auf ihre Urheber zurück.
Am 2. Januar 1945 legten über 500 Bomber der britischen und amerikanischen Luftwaffe Nürnberg in Schutt und Asche. Mehr als 1800 Menschen starben in einer Nacht, 100 000 wurden obdachlos. Auch St. Sebald fiel in Trümmer.
Der Wiederaufbau der Kirche als „Denkmal für den Frieden“ wurde zu einem Zeichen der Hoffnung für die Stadt und ihre Bürger.
Im Jahr 1999 wurde ein Nagelkreuz durch den Propst der Kathedrale von Coventry an die Sebalduskirche übergeben.
Damit gehört diese Kirche zur „Nagelkreuzgemeinschaft“,
einem weltweiten Netzwerk im Dienst der Versöhnung zwischen Menschen verschiedener Nationen, Religionen und
Kulturen.
Wie in vielen Nagelkreuzzentren weltweit wird in St. Sebald an jedem Freitag um 12 Uhr das Versöhnungsgebet von Coventry gebetet:
Alle haben gesündigt und ermangeln des
Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.
(Römer 3, 23)
Den Hass, der Nation von Nation trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse: Vater vergib!
Das Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist: Vater vergib!
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet: Vater vergib!
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen: Vater vergib!
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Geflüchteten:
Vater vergib!
Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht.
Vater vergib!
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott: Vater vergib!
Seid untereinander freundlich, herzlich
und vergebet einer dem anderen,
wie Gott euch vergeben hat
in Jesus Christus.
(Epheser 4, 32)
Allgemeine Informationen finden Sie unter: www.nagelkreuzgemeinschaft.de


