Die Ausstellung „Stein & Tür“ im Sebalder Pfarrhof

Im Zuge der denkmalgerechten Instandsetzungsmaßnahme des Sebalder Pfarrhofes kam es 2019 und 2020 zu sensationellen Wiederentdeckungen historischer Zeugnisse jüdischen Lebens in Nürnberg: In der Eingangshalle des Pfarrhofes wurde ein jüdischer Grabstein von 1334 und eine Holzbrettertür von ca. 1500 mit hebräischem Haussegen wiederentdeckt. Thesen zu den Fundstücken können Sie hier nachlesen und wie Jakob Feuchtwanger, ein aus Nürnberg vertriebener Jude, nicht nur als Kind den Pfarrhof wegen des Grabsteins aufsuchte, hier.

Die Kirchengemeinde hat diese Wiederentdeckungen zusammen mit der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg zum Anlass genommen, die Ausstellung „Stein & Tür“ im Pfarrhof einzurichten. Sie ist seit 20. Mai 2022 täglich von 9 bis 18 Uhr frei zugänglich zu besichtigen.

Inhaltliche wurde sie zusammen mit der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und dem Verein für Geschichte für Alle e.V. in Absprache mit den Museen der Stadt Nürnberg entwickelt.

Die Ansprachen, die anlässlich der Eröffnung gehalten wurden, können Sie hier abrufen:

Die Kirchengemeinde sieht diesen öffentlich zugänglichen Ausstellungsraum auch als Kristallisationspunkt eines noch zu entwickelnden stadtöffentlichen Erinnerungsweges und Gedächtnisortes.

Einen Rundfunkbeitrag aus dem Jahr 2020 können Sie hier anhören (© Sophia Ruhstorfer – BR Studio Franken, Dezember 2020) und ansehen. In der Themenreihe „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ hat Hans Böller im Dezember 2021 einen ausführlichen Bericht in den Nürnberger Nachrichten geschrieben.

Besonders dankbar ist die Kirchengemeinde über die Förderung der Ausstellung durch den Verein 321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V. und dem Bundesministerium des Innern und für Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, durch die Stadt Nürnberg und die Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg.

 
 
 

Das schwere Erbe der judendiffamierenden Darstellungen

In der Judenfeindschaft des Mittelalters zeigt sich die Schattenseite der intensiven Frömmigkeit im christlichen Europa. Diffamierende Darstellungen haben auch an etlichen Kunstwerken der Sebalduskirche ihre Spuren hinterlassen. Auf diesem Boden gediehen Verfolgung und Vernichtung der Juden der Pogrome des Mittelalters, die in der Shoa im Zweiten Weltkrieg führten.

Die bösartigste mittelalterliche Karikatur: das Schwein als Symbol des Teufels

Der traditionelle Judenhass in der christlichen Kunst hat sich in unerträglicher Form in der Darstellung von Juden im Zusammenhang mit einem Schwein niedergeschlagen. Dieses Motiv existiert nahezu ausschließlich im deutschen Sprachraum und begegnet ab dem 13. Jahrhundert in plastischen Darstellungen, später auch in Gemälden und Zeichnungen. Leider auch an der St. Sebalduskirche.

Der Kirchenvorstand von St. Sebald hat mehrfach dazu klar Stellung bezogen. Das Faltblatt können Sie hier abrufen.

Unter dem Titel „Geteilte Hoffnung“ wurde am 2. Sonntag im Advent, 5. Dezember 2021, ein Themengottesdienst aus der Sebalduskirche im Deutschlandfunk übertragen, der sich mit dem Erbe und Auftrag beschäftigt. Sie können ihn hier nachhören.